Kinder- und Jugendrüstzeit im Oktober 2006
16 Leute - große und kleine - machten sich am ersten Tag der Herbstferien auf den Weg nach Niederndodeleben bei Magdeburg. Sie waren 5 Tage zu Gast im Mauritiushaus, einer Einrichtung der Kirchenprovinz Sachsen-Anhalt, die sich besonders mit entwicklungspolitischen Fragen beschäftigt. Das klingt abstrakt und hochtrabend, wurde aber für die Kinder und Jugendlichen sehr anschaulich umgesetzt.
Wir lernten den Kontinent Afrika und insbesondere Mocambique und Tansania näher kennen. Wie spricht man da? Was isst man da? Wie kleidet man sich? Wie lebt man überhaupt in Afrika? Das haben wir nicht nur gehört uns gesehen, sondern auch ausprobiert. Konkret hieß das: Kochbananen auf offenem Feuer zubereiten, Wasser in Eimern auf dem Kopf tragen, ein kleiner Sprachkurs in... ja, wie hieß die Sprache doch mal gleich? Sorry, vergessen! War auch ganz schön schwer, die fremden Lauten richtig nachzusprechen. Dabei war uns Thomas, ein junger Mann aus Mocambique, ein guter Begleiter und Reiseleiter. Unvergesslich wird uns sein Trommelworkshop bleiben, bei dem er auf richtig großen Trommeln unsere Hände ins Wirbeln brachte. Aber wir haben auch eigene kleine Trommeln mit richtigem Trommelfell und andere afrikanische Musikinstrumente gebastelt.
Natürlich haben wir uns auch in der näheren und der weiteren Umgebung umgeschaut. Eines unserer Ausflugsziele war der Magdeburger Dom mit einer Darstellung des Heiligen Mauritius, einem Afrikaner.
Die Supermärkte von Niederndodeleben haben wir nach Produkten aus anderen Ländern durchforstet und waren bei der Auswertungsrunde erstaunt, wie viele Lebensmittel eine zum Teil sehr weite Reise hinter sich haben, bis sie auf unserem Teller landen (Kiwis aus Neuseeland, Fisch aus Alaska...) Auch den Weg von der Kakaopflanze zur Schokolade haben wir verfolgt - mit Film und stilvoller Schokoladenverkostung. Die Bedingungen, unter denen diese beliebte Nascherei produziert wird, haben uns doch sehr nachdenklich gemacht und wir haben auch wieder darüber nachgedacht, was wirklich wichtig ist. Uns ist auch deutlich geworden, wie sehr jeder Teil der Welt auf den anderen angewiesen ist.
Und was war noch so? Jeden Tag viermal ganz, ganz leckeres Essen (fair gehandelt), Morgen- und Abendandacht, Nachtspaziergang, die Zimmer von vorbildlich aufgeräumt bis chaotisch, Streiten und Versöhnen, neue Seiten am anderen entdecken, Freundschaften über die eigene Altersgruppe hinaus schließen (Briefchen eines kleinen Mädchens an ein großes: "Ich finde dich nett. Bitte ankreuzen, ob du meine Freundin bist. Ja/Nein") als Gruppe fester zusammenwachsen und zum Schluss das Fazit: Es war schööön!
Möglich wurde die Rüstzeit, die die Finanzen der einzelnen Familien nicht zu sehr strapazierte, durch die Unterstützung und Förderung des Evangelischen Entwicklungsdienstes
www.eed.de.
Ute Ulbricht